Realming und Kommunikation

Realming ist Selbsterfahrung mit System. Eine weitere Säule dieses Systems ist die Kommunikation. Nun findet Kommunikation laufend statt. Bereits Babys kommunizieren und wenn man Paul Watzlawick glauben mag, dann kann man gar nicht nicht kommunizieren – jedenfalls dann nicht, wenn man in Sichtweite eines anderen Menschen ist.
Die Frage, was Kommunikation überhaupt ist und wie sie funktioniert, ist Gegenstand zahlreicher Wissenschaftsdisziplinen – Psychologie, Philosophie, Semantik, Linguistik, Semiotik, Systemtheorie und noch einige andere. Als gemeinsames Ergebnis könnte man feststellen, dass Kommunikation ein sehr komplexes Phänomen ist und dass sie qualitativ unterschiedlich auftritt. Das bedeutet, dass es mehr oder weniger erfolgreiche Möglichkeiten gibt, sich mit anderen zu verständigen.
Das führt zu Fragen nach den Kommunikationsfähigkeiten, die eine Verständigung begünstigen. Neben technischen Fähigkeiten, wie sie z.B. die „Metakommunikation“ von Friedemann Schulz von Thun, oder die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg lehren, gibt es auch persönlich-biografische Aspekte, die die Kommunikationsmöglichkeiten färben.

Kontakt

Diese biografischen Muster zeigen sich als Interesse an Kontakt. Wie interessant erscheint die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen? Erscheint es überhaupt wünschenswert, sich einem Gesprächspartner zuzuwenden, sich ihm zu öffnen? Falls dieses Interesse eingeschränkt ist, mögen die Erfahrungen der Kindheit – z.B. Desinteresse der Eltern, eingeschränkte Gefühlsäußerungen, unzureichende Spiegelung – ihren Teil dazu beigetragen haben.

Verstehen fremder Affekte

Auch die Fähigkeit, die Gefühle des Kommunikationspartners zutreffend und mit Interesse wahrzunehmen, steht auf biografischen Füßen. Was gesagt wird soll so verstanden werden, wie es gemeint ist. Das Gemeinte ist dabei in der Regel emotional gefärbt. Wenn die Emotion nicht oder falsch verstanden wird, werden Missverständnisse deutlich wahrscheinlicher. Nebenbei bestätigt sich dabei die Erfahrung, dass Kommunikation nichts Erstrebenswertes ist.

Mitteilung eigener Affekte

Die Gefühle von anderen Menschen wahrnehmen zu können, korrespondiert mit der Wahrnehmungsfähigkeit für die eigenen Gefühle. Auch diese Fähigkeit kann biografisch erschwert sein. Gefühle brauchen Mitgefühl, sie müssen einen Wiederhall im Anderen finden, damit sie zutreffend identifiziert werden können. Wer als Kind häufig die Erfahrung macht, dass sich niemand für seine Gefühle interessiert, oder dass sich die Anderen über die Gefühle des Kindes lustig machen, verliert leicht die Lust, sich anderen Mitzuteilen.
Dabei sind Gefühle gewissermaßen das Salz in der Suppe der Kommunikation. Gefühle stellen subjektive Bewertungen von Situationen und Umständen dar. Sie sagen aus, wie es jemand findet, dass dies oder jenes geschehen ist. Ohne diese Zutat wird die Kommunikation schwierig. Gemeinsam etwas zu machen – was eine ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Kommunikation“ ist – wird fast unmöglich.

Reziprozität

Eine gelingende Kommunikation erzeugt ein Wir-Gefühl. Die Partner sind wechselseitig aufeinander bezogen. Um zu diesem Wir zu kommen, braucht es die Bemühungen beider Beteiligter – Gemeinsamkeit entsteht nicht von allein. Die Fähigkeit und das Interesse, sich auf einen Kommunikationspartner einzuschwingen ist die Voraussetzung dafür. Dass auch diese Fähigkeit in der Kindheit mehr oder weniger gut erlernt wurde liegt nahe. Wer als Kind nicht selbst erlebt hat, dass andere sich auf ihn einschwingen, wird sich für das „Wir“ eher wenig interessieren.
Hilfreich ist für die Gegenseitigkeit auch eine gewisse Flexibilität. Situationen können sich ändern und Mitmenschen haben Launen und Tagesformen. Günstig für die Kommunikation ist es, wenn der Partner sich auf Launen und Kontexte einstellen kann. Kindheitserfahrungen wie stereotype Kommunikationen, oder Kommunikation unter Vorbehalt (z.B. nur wenn Du nett bist, rede ich mit Dir.), erschweren diese Fähigkeit.
Die vielleicht größte Herausforderung in kommunikativen Situationen ist wohl ein Konflikt. Gegenläufige Interessen, unterschiedliche Standpunkte, abgelehnte Bitten oder Forderungen bringen Enttäuschung, Ärger, Angst oder Trauer ins Spiel. Mit diesen Gefühlen umgehen zu können, Ihnen einen angemessenen Ausdruck geben zu können ist nicht einfach und nicht unmöglich. Unterstützt wird die Konfliktfähigkeit durch Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung und Fremdwahrnehmung.

Die „Säulen“ von Realming sind wohl eher Stränge, die sich gegenseitig stützen und verstärken.

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