Wirklichkeit – wirklich

Ja wirklich dieser zentrale Begriff taucht aus meiner Stille auf. Ich glaube daran, dass es mich wirklich gibt und an eine  wirkliche Welt – es gibt mich und die Wirklichkeit wirklich. In meiner Wirklichkeit mit mir selbst spielt immer wieder meine Wirksamkeit eine große Rolle. Also: Wie wirksam kann ich meine Wirklichkeit gestalten und wo sind die Grenzen meiner Gestaltungsmöglichkeiten? Oder, verwandte Frage: Wie wirklich sind die Grenzen meiner Wahrnehmung für meine Möglichkeiten? Wirklich verzwickt!

Ich lebe auch in einer wirklichen Beziehung und kenne von dort auch die Auseinandersetzung darüber, was jetzt wirklich sinnvoll und/oder richtig und/oder nötig ist – Früh ins Bett gehen z.B. oder sich für wirklich sinnvolle Sachen zu engagieren – Anti-Atom oder Pro-Asyl z.B. – Wirklich nicht immer einfach, da eine einvernehmliche Ansicht zu erreichen.

Die soziale Wirklichkeit erlebe ich als sehr facettenreich. Die Facette des sog. Realismus oder der Realpolitik finde ich besonders interessant. Diese „Wirklichkeitspolitiker“ mit ihren Ideen über die Wirklichkeit, tendieren in meinen Augen ein wenig dahin, dass sie auf der Grundlage von erfolgreichen Verbrechen anderer, neue, eigene Verbrechen begründen wollen – ich finde die politische Wirklichkeit ein wenig bedrückend im Moment.

Auf der Empfindungsebene spüre ich sofort meine Hände und Arme sehr deutlich. Meine Wirklichkeit könnte mit meinem Wirken zusammenhängen und mit meinen Händen kann ich wirkungsvoll sein. Meine Augenpartie spannt sich ebenfalls etwas an und auch meine Kiefermuskulatur. Ich verbinde das mit Konzentration und Willen.

Meine Stimmung kommt mir eher undeutlich zu Bewusstsein. Wenn ich ihr nachspüre, nehme ich auch meine Wirbelsäule deutlicher wahr. Die Stimmung hat Aspekte von Vorsicht, vielleicht Misstrauen und eine gewisse Portion Trotz kann ich ebenfalls wahrnehmen.

Mein Denken über die Wirklichkeit ist eindeutig „Taoistisch“ gefärbt. Es gibt die Wirklichkeit, ich glaube an sie und ich glaube auch, dass die Wirklichkeit mit Worten nicht einholbar ist. Ich denke, es gibt immer neue Anläufe, die Wirklichkeit zu beschreiben, die sich der Wirklichkeit vielleicht annähern, aber sie niemals erreichen können. Meine Wirklichkeit ist mein Reich (Realm), meine Kreation, meine Bedeutungserteilung an die Zeichen, die ich wahrzunehmen imstande bin.

Meine Hoffnungen gehen dahin, dass mehr Menschen den Gedanken akzeptieren lernen, dass wir alle Kinder einer Wirklichkeit sind. Der Wirklichkeit, dass wir alle Bewohner einer Erde sind, die unsere Existenzgrundlage darstellt.

Meine Befürchtungen gehen dahin, dass immer mehr Menschen, sich in Wirklichkeitsnischen einmauern und sich mit realpolitischen Fantasien von der umfassenderen Wirklichkeit verabschieden und so die Möglichkeit erst heraufbeschwören, von der sie denken, dass sie ihnen droht – den Untergang des Abendlands, des Islams, der Hindunation und was es an weiteren Wirklichkeitssoziotopen noch geben mag.

In der Abschlussstille bemerke ich, dass es sich gut anfühlt, meine Version der Wirklichkeit aufzuschreiben und auszudrücken. Ich fühle mehr Zuversicht und so etwas wie Hoffnung für eine wirklich wirkliche Zukunft.

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